Grafik von Zähnen mit einer Amalgamfüllung

Amalgam enthält Quecksilber und steht deshalb seit Jahren in der Kritik. Während einige Studien Entwarnung geben, weisen andere auf mögliche Gesundheitsrisiken hin. Dieser Artikel gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und erklärt, ob Amalgam in Zahnfüllungen schädlich ist.

Wie gesundheitsschädlich ist das Quecksilber in Amalgam?

Amalgam gehörte aufgrund seiner Eigenschaften seit Jahrzehnten zu den gebräuchlichsten Materialien für Zahnfüllungen. Es besteht zu etwa 50 Prozent aus Quecksilber, das mit anderen Metallen wie Silber, Zinn und Kupfer verbunden ist. Zwar ist es in der Füllung chemisch gebunden, doch Fachleute diskutieren seit Langem darüber, ob sich kleine Mengen Quecksilber lösen und in den Körper gelangen können. Beim Kauen, beim Zähneknirschen oder durch heiße Speisen entsteht Quecksilberdampf, den Sie über die Atemwege aufnehmen.

Bis heute lässt sich wissenschaftlich nicht eindeutig sagen, ob diese Mengen der Gesundheit schaden. Viele Experten sehen kein relevantes Risiko, dennoch bleiben bei manchen Menschen Bedenken bestehen. Die Europäische Union hat deshalb entschieden, dass Zahnärzte Amalgam seit 2025 für neue Füllungen nicht mehr verwenden dürfen.

Gefährlich oder unbedenklich: das sagen Studien

Zahlreiche Studien haben in den letzten Jahrzehnten untersucht, ob Amalgamfüllungen die Gesundheit beeinträchtigen können. Bisher konnte kein wissenschaftlicher Beleg erbracht werden, dass Amalgam bei gesunden Menschen schwere Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer oder chronische Vergiftungen auslöst. Einige Untersuchungen zeigen zwar, dass der Körper geringe Mengen Quecksilber aus den Füllungen aufnimmt, doch diese Werte liegen meist deutlich unterhalb der international festgelegten Grenzwerte.

Fachorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) sehen derzeit kein gesichertes Risiko für die allgemeine Bevölkerung. Dennoch empfehlen sie, besonders empfindliche Menschen vorsorglich zu schützen.

Ab wann ist Quecksilber schädlich?

Quecksilber gilt als giftig, wenn es in größeren Mengen in den Körper gelangt. Ob die Substanz gesundheitsschädlich wirkt, hängt stark von der Dosis und der Dauer der Aufnahme ab. Die Weltgesundheitsorganisation und das Bundesinstitut für Risikobewertung haben deshalb Grenzwerte festgelegt, um die gesundheitliche Belastung durch Quecksilber einschätzen zu können. Für die tägliche Aufnahme über Nahrung, Wasser und Atemluft liegt der Grenzwert bei etwa 0,001 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Eine typische Amalgamfüllung enthält rund 0,5 bis 1 Gramm Quecksilber, das chemisch an andere Metalle gebunden ist. Studien zeigen, dass sich beim Kauen oder durch Abrieb sehr geringe Mengen Quecksilberdampf lösen können. Diese Freisetzung liegt im Durchschnitt bei 1 bis 5 Mikrogramm pro Tag – deutlich unterhalb der als kritisch angesehenen Werte. Bei mehreren Füllungen oder erhöhter Belastung, beispielsweise durch Zähneknirschen kann die individuelle Aufnahme jedoch steigen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, die persönliche Situation mit einem Arzt abzuklären, besonders wenn bereits Vorerkrankungen bestehen oder Beschwerden auftreten.

Bei wem stellt Amalgam ein Risiko dar?

Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf Amalgam. Während gesunde Erwachsene das Material meist gut vertragen, gelten bestimmte Gruppen als besonders empfindlich. Dazu zählen Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren. Ihr Körper reagiert möglicherweise sensibler auf die geringen Mengen Quecksilber, die sich aus der Füllung lösen können. Auch Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder einer nachgewiesenen Quecksilberallergie sollten auf Amalgam verzichten.

Wenn Sie zu einer dieser Gruppen gehören oder gesundheitliche Beschwerden im Zusammenhang mit Amalgam vermuten, sollten Sie das in einer unserer Zahnarztpraxen gezielt ansprechen.

Mögliche Nebenwirkungen von Amalgam

Manche Patienten berichten über gesundheitliche Beschwerden, die sie mit Amalgamfüllungen in Verbindung bringen. Auch wenn diese Zusammenhänge wissenschaftlich nicht eindeutig belegt sind, lohnt sich ein genauer Blick auf die Symptome, die in diesem Zusammenhang häufig genannt werden.

Zu den möglichen Auswirkungen und gesundheitlichen Folgen gehören:

  • allgemeine Beschwerden: anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen
  • allergische Reaktionen: Ausschlag, Schleimhautreizungen, metallischer Geschmack, Zungenbrennen
  • Nervensystem und Psyche: Zittern, Nervenschäden, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Depressionen
  • Magen-Darm-Trakt: Darmprobleme wie Blähungen oder Durchfall
  • Autoimmun- und neurologische Erkrankungen: mögliche Verbindung zu Multipler Sklerose (nicht bewiesen)
  • Augenprobleme: unscharfes Sehen, trockene oder gereizte Augen
  • Nierenerkrankung: potenzielle Nierenschäden bei großen Mengen Amalgam
  • Krebsrisiko: einzelne Studien diskutieren einen möglichen Zusammenhang zwischen Amalgam und bestimmten Krebsarten, ein klarer wissenschaftlicher Nachweis fehlt bislang

Symptome bei einer Amalgamallergie

In wenigen Fällen kann der Körper empfindlich auf Quecksilber reagieren, Ärzte sprechen dann von einer Quecksilberallergie oder Allergie auf Amalgam. Diese Form der Überempfindlichkeit zählt zu den Kontaktallergien und betrifft meist die Mundschleimhaut. Typische Symptome sind Rötungen, Brennen auf der Zunge, Schleimhautreizungen oder ein metallischer Geschmack im Mund. Auch Hautausschläge im Gesicht oder am Hals können auftreten.

Wer solche Beschwerden feststellt und Amalgamfüllungen hat, sollte die Möglichkeit einer Allergie in Betracht ziehen. Ein Allergietest beim Hautarzt oder über spezielle Labordiagnostik kann Hinweise liefern.

Krank durch Amalgam: Amalgamvergiftung

In der öffentlichen Diskussion taucht immer wieder der Begriff Amalgamvergiftung auf – gemeint ist eine chronische Belastung durch Quecksilber aus alten Zahnfüllungen. Als mögliche Symptome gelten unter anderem Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Nervosität oder Muskelzittern. Auch Erschöpfung, depressive Verstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden werden häufig beschrieben.

Eine Amalgamvergiftung sicher nachzuweisen, ist jedoch schwierig, da viele der genannten Symptome auch andere Ursachen haben können. Laboruntersuchungen, wie die Analyse von Quecksilber im Urin oder Blut, können erste Hinweise liefern. Sie zeigen jedoch meist nur kurzfristige Belastungen an. Ob tatsächlich eine gesundheitsschädliche Menge Quecksilber im Körper vorhanden ist, lässt sich damit nicht immer eindeutig klären.

Warum Amalgam seit 2025 verboten ist

Seit dem Jahr 2025 dürfen Zahnärzte in der Europäischen Union keine neuen Amalgamfüllungen mehr einsetzen. Grundlage dafür ist eine EU-Verordnung, die sowohl den gesundheitlichen Schutz als auch den Umweltschutz verbessern soll. Auch wenn Studien bisher keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Amalgam und schweren Erkrankungen belegen, verfolgt die EU mit dem Verbot einen vorsorgenden Ansatz, insbesondere zum Schutz empfindlicher Gruppen.

Neben den möglichen gesundheitlichen Risiken spielt auch die Belastung der Umwelt eine wichtige Rolle. Bei der Herstellung, Entfernung und Entsorgung von Amalgam gelangen Rückstände in Luft, Wasser und Boden, was die Freisetzung von Quecksilber in die Umwelt begünstigt.

Patienten mit vorhandenen Amalgamfüllungen müssen nichts unternehmen. Das Verbot betrifft ausschließlich neue Zahnfüllungen. Bestehende Füllungen dürfen weiterhin im Mund verbleiben.

Sind bestehende Amalgamfüllungen schädlich?

Wenn Sie bereits Amalgamfüllungen haben, fragen Sie sich vielleicht, ob davon ein Risiko für Ihre Gesundheit ausgeht. Die aktuelle Einschätzung lautet: Solange die Füllung intakt ist, keine Beschwerden verursacht und dicht abschließt, besteht in der Regel kein akuter Handlungsbedarf. Zahnärzte raten davon ab, Amalgam nur aus Vorsicht oder aus ästhetischen Gründen zu entfernen.

Anders ist die Lage, wenn Schmerzen an der Amalgamfüllung auftreten oder wenn sich die Füllung gelockert hat. In manchen Fällen kann sich Karies unter Amalgam bilden, ohne dass sie sofort sichtbar ist. Auch unspezifische Beschwerden wie metallischer Geschmack, Schleimhautreizungen oder Druckempfindlichkeit sollten zahnärztlich abgeklärt werden.

Wenn ein Austausch nötig ist, stellt sich die Frage nach geeigneten Alternativen. Heute stehen mehrere quecksilberfreie Materialien zur Verfügung. Welches Material am besten zu Ihnen passt, hängt von der Zahnposition, der Belastung und den persönlichen Anforderungen ab. Unsere Zahnärzte beraten Sie dazu gern.

Risiken bei Amalgam neben Goldfüllungen

Unterschiedliche Metalle im Mund können miteinander reagieren. Liegen eine Amalgamfüllung und eine Goldfüllung in direkter Nähe zueinander, kann sich eine geringe elektrische Spannung bilden – ein Effekt, der als galvanischer Strom oder Mundstrom bezeichnet wird. Manche Menschen berichten in diesem Zusammenhang über Reizungen, metallischen Geschmack oder ein unangenehmes Kribbeln im Mundraum. Auch wenn nicht jeder betroffen ist, raten viele Zahnärzte davon ab, Amalgam und Gold im selben Kieferbereich zu kombinieren. So lassen sich mögliche Beschwerden von vornherein vermeiden.

Amalgam verschluckt oder abgebrochen: Ist das gefährlich?

In der Regel besteht keine akute Gesundheitsgefahr, wenn Sie versehentlich ein kleines Stück Amalgam verschluckt haben. Da das Material weitgehend unlöslich ist, passiert es meist einfach den Verdauungstrakt und wird wieder ausgeschieden. Nur in sehr seltenen Fällen kann es bei vorhandenen Vorerkrankungen oder bei größeren Bruchstücken sinnvoll sein, die Situation ärztlich abzuklären.

Problematischer ist, dass durch den Bruch der Füllung Quecksilber freigesetzt werden kann, vor allem beim Kauen. Außerdem liegt der Zahn nach dem Verlust der Füllung oft frei, was zu Empfindlichkeit, Schmerzen oder einem erhöhten Risiko für Karies führen kann. Daher sollten Sie eine abgebrochene Amalgamfüllung immer möglichst zeitnah zahnärztlich untersuchen lassen. Der Zahnarzt kann beurteilen, ob eine neue Füllung notwendig ist, und die Stelle unter Schutzmaßnahmen fachgerecht versorgen.

Fazit: Ist Amalgam schädlich?

Ob Amalgam gesundheitsschädlich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei den meisten Menschen verursachen Amalgamfüllungen keine Beschwerden, doch empfindliche Personen können mit Unverträglichkeiten oder Symptomen reagieren. Seit 2025 dürfen Zahnärzte Amalgam nicht mehr für neue Füllungen verwenden. Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt, wenn Sie unsicher sind oder Beschwerden haben, die mit Amalgam in Verbindung stehen könnten.

FAQ zu Zahnfüllungen aus Amalgam

Diese Zahnfüllungen sind silber- bis dunkelgrau und deutlich von weißen Kompositfüllungen zu unterscheiden. Ihr Zahnarzt kann Ihnen sicher sagen, ob eine Füllung aus Amalgam besteht.

In der gesamten Europäischen Union – und damit auch in Deutschland – ist Amalgam seit 2025 für neue Zahnfüllungen verboten. Auch andere Länder wie Schweden und Norwegen haben den Einsatz bereits früher eingeschränkt oder beendet.

Amalgam enthält Quecksilber, das als umstritten gilt. Neben der gesundheitlichen Diskussion spielen auch ästhetische Gründe und die Belastung für die Umwelt eine Rolle. Außerdem kann es bei empfindlichen Personen zu Unverträglichkeiten oder allergischen Reaktionen kommen.

Solange die Füllung im Mund ist, können dauerhaft kleine Mengen Quecksilberdampf freigesetzt werden, besonders beim Kauen oder Zähneknirschen. Die Freisetzung nimmt im Lauf der Zeit ab, endet aber nicht vollständig.

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft gibt es keine Hinweise darauf, dass die Füllungen die Wirkung von Medikamenten oder Impfstoffen beeinflussen. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie Ihren Arzt oder Zahnarzt darauf an.

Ja, das ist möglich. Ein Teil des aufgenommenen Quecksilbers wird ausgeschieden, ein anderer Teil kann sich im Gewebe ablagern. Ob diese Mengen gesundheitlich relevant sind, hängt von der individuellen Empfindlichkeit und der Gesamtbelastung ab.

Eine Amalgamsanierung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen, da dabei Quecksilber freigesetzt werden kann. In der Regel sollten Sie mit einem Austausch bis nach der Geburt warten, es sei denn, es besteht eine dringende medizinische Notwendigkeit.

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