
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Ein offener Biss entsteht, wenn obere und untere Zähne beim Zubeißen keinen Kontakt haben und eine sichtbare Lücke bestehen bleibt.
- Häufige Ursachen sind langes Schnuller- oder Daumenlutschen, Zungenpressen, genetische Kieferfehlstellungen und chronische Mundatmung.
- Unbehandelt kann der offene Biss zu Kiefergelenksbeschwerden, Sprachstörungen, Zahnabrieb und Gesichtsasymmetrien führen.
- Eine frühzeitige Behandlung mit Spange oder Logopädie korrigiert die Fehlstellung meist innerhalb von ein bis zwei Jahren wirksam.
Bleiben beim Zubeißen Lücken zwischen den Zähnen offen, spricht man von einem offenen Biss. Diese Fehlstellung kann sowohl ästhetische als auch funktionelle Probleme verursachen. Ob durch Schnuller, Zunge oder genetische Ursachen – wir zeigen, wie Sie einen offenen Biss erkennen und welche Therapien infrage kommen.
Definition: Was ist ein offener Biss?
Beim offenen Biss schließen sich die oberen und unteren Zähne beim Zubeißen nicht vollständig. Zwischen den Zahnreihen bleibt eine sichtbare Lücke bestehen, oft im Bereich der Schneidezähne. Diese Fehlstellung kann sowohl im vorderen als auch im seitlichen Zahnbereich auftreten und betrifft Kinder ebenso wie Erwachsene.
Neben der Ästhetik leidet häufig auch die Funktion: Kauen, Schlucken oder deutliches Sprechen sind erschwert. Je nach Ausprägung kann ein offener Biss auch das Kiefergelenk belasten oder eine schädliche Mundatmung fördern. Eine rechtzeitige Behandlung hilft, Folgeschäden zu vermeiden und die Lebensqualität spürbar zu verbessern.
Mögliche Ursachen eines offenen Bisses
Bereits in den ersten Lebensjahren können bestimmte Verhaltensweisen die Entwicklung des Kiefers beeinflussen. Dazu gehört vor allem das langanhaltende Nuckeln am Schnuller oder Daumen. Auch wenn die Zunge beim Schlucken dauerhaft gegen die Zähne drückt, kann sich ein offener Biss entwickeln.
In vielen Fällen spielen mehrere Faktoren zusammen, beispielsweise auch eine genetisch bedingte Fehlstellung des Kiefers. Sogenannte skelettale Ursachen führen dazu, dass sich Ober- und Unterkiefer unterschiedlich entwickeln. Zudem kann chronische Mundatmung eine Rolle spielen. Einige Kinder neigen dazu, mit offenem Mund zu schlafen oder dauerhaft durch den Mund zu atmen, was die Kieferstellung ebenfalls beeinflussen kann.
Welche Folgen hat die Fehlstellung?
Bleibt ein offener Biss unbehandelt, kann sich die Fehlstellung im Laufe der Zeit verstärken. Besonders bei Kindern schreitet das Wachstum des Kiefers ungehindert in die falsche Richtung voran, wodurch sich die Zahnlücke zwischen Ober- und Unterkiefer weiter vergrößert. Das erschwert nicht nur das Abbeißen und Kauen, sondern kann auch langfristig zu Problemen im Kiefergelenk führen.
Viele Betroffene entwickeln Verspannungen, Schmerzen im Gesicht oder im Nackenbereich. Auch die Sprachentwicklung kann gestört sein, beispielsweise durch ein dauerhaftes Lispeln. Zudem steigt das Risiko für eine ungleichmäßige Abnutzung der Zähne oder für Parodontitis, da sich die Zahnpflege in bestimmten Bereichen erschwert. Wird der offene Biss nicht rechtzeitig korrigiert, kann im Erwachsenenalter oft nur noch eine kieferchirurgische Behandlung helfen.
Wie wird ein offener Biss festgestellt?
Die Diagnose erfolgt beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden. Schon bei der ersten Untersuchung fällt auf, dass die Schneidezähne beim Zubeißen keinen Kontakt haben und eine sichtbare Lücke bleibt. Für eine genaue Einschätzung beurteilt der Spezialist den gesamten Biss, die Zahnstellung und das Kieferwachstum.
Oft kommen zusätzlich Röntgenbilder oder ein Abdruck des Kiefers zum Einsatz. Diese helfen dabei, die Ursache der Fehlstellung besser zu erkennen und einen geeigneten Behandlungsplan zu erstellen. In manchen Fällen wird auch die Zungenlage untersucht, besonders wenn der Verdacht besteht, dass ein dauerhafter Druck durch die Zunge die Kieferfehlstellung begünstigt.
Offenen Biss behandeln beim Zahnarzt
Die Behandlung richtet sich nach dem Alter des Patienten, dem Schweregrad der Fehlstellung und der zugrunde liegenden Ursache. Bei Kleinkindern und jüngeren Kindern steht oft eine Frühbehandlung im Vordergrund. In dieser Phase reicht es manchmal schon aus, ungünstige Angewohnheiten wie das Daumenlutschen oder den Schnuller-Gebrauch abzustellen. In vielen Fällen bildet sich der offene Biss dann von selbst zurück.
Bleibt die Lücke zwischen den Zähnen bestehen, kommen spezielle Zahnspangen zum Einsatz. Bei Kindern kann ein Aktivator beziehungsweise eine herausnehmbare Zahnspange helfen, das Kieferwachstum gezielt zu steuern und die Zähne in die richtige Position zu bringen. Auch eine feste Zahnspange ist eine mögliche Option. Sie übt sanften Druck auf die Zähne aus und fördert so den Zahnschluss.
Bei Erwachsenen ist die Behandlung meist etwas aufwendiger. Hier kann eine feste Zahnspange in Kombination mit zusätzlichen Hilfsmitteln wie Gummizügen nötig sein. In schweren Fällen, insbesondere wenn der Kieferknochen mitbeteiligt ist, ist eine Operation erforderlich.
Mit einem individuell abgestimmten Behandlungsplan lässt sich ein offener Biss jedoch in den meisten Fällen gut korrigieren – ganz gleich ob bei Kindern oder Erwachsenen.
Was kostet die Behandlung?
Die genauen Kosten hängen von der Art der Behandlung und dem Alter des Patienten ab. Bei Kindern und Jugendlichen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Regel dann, wenn eine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Dazu gehört auch der offene Biss, wenn er die Funktion von Zähnen und Kiefer beeinträchtigt.
Bei Erwachsenen ist die Lage anders. Hier tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nur in besonders ausgeprägten Fällen oder wenn zusätzlich eine kieferchirurgische Operation notwendig ist. Ansonsten müssen Patienten die Behandlung selbst finanzieren. Private Krankenkassen und Zusatzversicherungen bieten häufig bessere Leistungen und übernehmen die Kosten ganz oder teilweise.
Behandlungsdauer bei der Kieferfehlstellung
Wie lange eine Behandlung bei offenem Biss dauert, richtet sich nach dem Alter, der Ausprägung der Fehlstellung und der gewählten Therapieform ab. Bei Kindern kann eine frühzeitige Korrektur oft innerhalb von ein bis zwei Jahren erfolgen. In der Regel wird dafür eine lose Zahnspange oder ein Aktivator eingesetzt.
Bei Erwachsenen dauert die Behandlung meist etwas länger. Kommen Aligner oder feste Zahnspangen zum Einsatz, kann die Therapie bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen. Entscheidend für den Erfolg ist die regelmäßige Kontrolle in der Praxis und eine konsequente Mitarbeit während der gesamten Behandlungszeit.
FAQ: Häufige Fragen zum offenen Biss
Was ist ein Schnuller-Gebiss?
Ein sogenanntes „Schnuller-Gebiss“ entsteht, wenn ein Kind über längere Zeit regelmäßig am Schnuller nuckelt. Dadurch kann sich der Kiefer verformen und es entsteht ein offener Biss, vor allem im Frontbereich.
Wie lange dauert die Rückbildung eines offenen Bisses bei Kleinkindern?
Wird der Schnuller rechtzeitig abgewöhnt und die Zungenlage korrigiert, kann sich ein offener Biss oft innerhalb von 6 bis 12 Monaten deutlich verbessern. Voraussetzung ist, dass das Kieferwachstum noch aktiv ist.
Welche Rolle spielt Rachitis beim offenen Biss?
Rachitis, eine Störung des Knochenstoffwechsels, kann zu Veränderungen im Kieferwachstum führen. In einigen Fällen kann dadurch auch ein offener Biss entstehen. Eine ärztliche Begleitung ist hier besonders wichtig.
Kann ein offener Biss durch Übungen behandelt werden?
Bei Erwachsenen können begleitende logopädische Übungen sinnvoll sein, vor allem wenn die Zungenlage eine Rolle spielt. Für eine nachhaltige Korrektur ist jedoch meist eine kieferorthopädische Behandlung notwendig.
Ist ein offener Biss schlimm?
Wird die Fehlstellung nicht behandelt, kann das langfristig zu funktionellen Problemen führen, beispielsweise beim Kauen, Sprechen oder Schlucken. Auch ästhetische Einschränkungen sind möglich. Daher ist eine frühzeitige Abklärung sinnvoll.