Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ein Überbiss liegt vor, wenn die oberen Schneidezähne mehr als fünf Millimeter vor den unteren stehen und kann funktionelle sowie ästhetische Probleme verursachen.
  • Häufige Ursachen sind genetische Veranlagung, Daumenlutschen, Mundatmung oder Zungenpressen, die das Kieferwachstum beeinflussen.
  • Leichte Fehlstellungen lassen sich mit Alignern oder Zahnspangen korrigieren, während schwere Fälle eine kombinierte kieferorthopädisch-chirurgische Behandlung erfordern.
  • Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten häufig ab einem Überbiss von sechs Millimetern bei Kindern, während Erwachsene vorwiegend selbst zahlen.

Sie vermuten einen Überbiss und möchten wissen, welche Behandlung für Sie oder Ihr Kind in Frage kommt? In diesem Ratgeber lesen Sie, wie ein Überbiss entsteht, welche Symptome typisch sind, wie die Diagnose abläuft und welche Möglichkeiten es gibt, einen Überbiss zu korrigieren.

Definition: Was ist ein Überbiss?

Ein Überbiss beschreibt ein Missverhältnis zwischen Ober- und Unterkiefer, bei dem die oberen Schneidezähne zu weit vor den unteren stehen. Fachleute sprechen dabei vom sogenannten sagittalen Overjet oder vom sagittalen Überbiss. Dieser Abstand wird in Millimetern gemessen und liegt in einem normalen Bereich bei etwa zwei bis drei Millimetern.

Ab etwa fünf Millimetern sprechen zahnmedizinische Experten von einem vergrößerten Überbiss, bei sechs Millimetern oder mehr ist häufig eine kieferorthopädische oder sogar chirurgische Behandlung notwendig. Wichtig ist dabei nicht nur der Messwert, sondern auch, ob Beschwerden auftreten oder langfristige Probleme zu erwarten sind.

Davon abzugrenzen ist der Overbite, also der vertikale Überbiss. Hierbei überdecken die oberen Schneidezähne die unteren nicht nur nach vorne, sondern auch deutlich in der Höhe. Beide Begriffe werden im Alltag oft vermischt, meinen jedoch unterschiedliche Formen der Zahnstellung.

Ursachen für einen Überbiss

Eine der häufigsten Ursachen für einen Überbiss ist die Veranlagung. Wenn beispielsweise der Oberkiefer stärker wächst als der Unterkiefer oder umgekehrt, führt das zu einem Ungleichgewicht der Kieferlage und damit häufig zu einem Überbiss.

Besonders in den ersten Lebensjahren kann sich die Kieferentwicklung durch bestimmte Gewohnheiten verändern. Dazu zählen das häufige oder langfristige Nuckeln am Schnuller, das Daumenlutschen oder das Atmen durch den Mund. Das kann dazu führen, dass der Oberkiefer nach vorn wächst oder der Unterkiefer in seiner Entwicklung gehemmt wird.

Funktionelle Störungen wie das Pressen der Zunge gegen die Zähne oder ein falsches Schluckmuster wirken sich ebenfalls negativ aus. Sie üben permanent Druck auf die Frontzähne aus und verstärken dadurch die Fehlstellung. Solche Störungen lassen sich durch gezielte Übungen und logopädische Begleitung positiv beeinflussen.

Ein weiterer Grund für die Entstehung eines Überbisses sind ungünstige Platzverhältnisse im Kiefer. Wenn beispielsweise zu wenig Raum für alle bleibenden Zähne vorhanden ist, kann es zu Engständen kommen. Die Zähne schieben sich dann nach vorn, wodurch der Überbiss verstärkt wird.

Typische Symptome der Kieferfehlstellung

Ein Überbiss lässt sich häufig schon am Gesicht erkennen. Besonders im Seitenprofil fällt auf, dass der Oberkiefer stark hervorragt oder das Kinn zurückgesetzt wirkt. In manchen Fällen bleibt der Mund leicht geöffnet, weil sich die Lippen nicht mehr ohne Anspannung schließen lassen. Dieses Merkmal ist vor allem bei Kindern deutlich sichtbar.

Auch funktionelle Einschränkungen treten häufig auf. Viele Betroffene berichten über Schwierigkeiten beim Abbeißen oder Kauen. Bei einigen wirkt sich der Überbiss auf das Sprechen aus, insbesondere auf Laute wie „s“ oder „z“. Ist der Platz im Mund eingeschränkt oder die Zunge nicht optimal positioniert, kann ein leichtes Lispeln entstehen. Diese Symptome sind oft ein erster Hinweis darauf, dass eine Zahn- oder Kieferfehlstellung vorliegt.

Mögliche Folgen eines unbehandelten Überbisses

Ein deutlich ausgeprägter Überbiss kann nicht nur das Kauen und Sprechen beeinträchtigen, sondern auch langfristige Auswirkungen auf Ihre Mundgesundheit haben. Bleibt die Fehlstellung unbehandelt, können unter anderem folgende Probleme auftreten:

  • erhöhter Zahnabrieb: Die oberen Schneidezähne stoßen unnatürlich auf die unteren. Dadurch kommt es zu frühzeitigem Verschleiß, besonders an den Zahnkanten der Frontzähne.
  • Kariesrisiko: Ein unvollständiger Lippenschluss lässt die Mundhöhle schneller austrocknen. Das begünstigt Zahnbelag, Karies und Zahnfleischentzündungen.
  • Fehlbelastung des Kiefergelenks: Die ungleichmäßige Kraftverteilung beim Zubeißen kann das Kiefergelenk überlasten. Typische Folgen sind Kieferknacken, Schmerzen beim Öffnen des Mundes oder Verspannungen im Kiefer- und Nackenbereich.
  • erschwerte Mundhygiene: Überstehende Zähne und enge Zwischenräume lassen sich oft schlechter reinigen. Das erschwert die tägliche Zahnpflege und fördert die Entstehung von Plaque.
  • ästhetische Auswirkungen: Neben funktionellen Problemen kann ein unbehandelter Überbiss auch das Gesicht verändern: Insbesondere im Profil wirkt das Kinn häufig zurückgesetzt.

Je früher der Überbiss erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, Folgeschäden zu vermeiden. Eine rechtzeitige kieferorthopädische Einschätzung ist daher in vielen Fällen sinnvoll.

Diagnose in der Zahnarztpraxis

Die Diagnose eines Überbisses erfolgt in der Regel durch einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden. Im ersten Schritt wird ein ausführliches Gespräch geführt. Dabei geht es um Ihre Beschwerden, die Entwicklung des Kiefers und mögliche Gewohnheiten in der Kindheit, die den Überbiss begünstigt haben könnten.

Anschließend erfolgt die klinische Untersuchung. Dabei wird unter anderem gemessen, wie groß der Abstand zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen ist. Dieser Abstand, der sogenannte Overjet, wird in Millimetern erfasst. Werte von mehr als 5 Millimetern deuten auf eine notwendige Behandlung hin.

Für eine genaue Beurteilung werden in vielen Fällen auch bildgebende Verfahren eingesetzt. Dazu gehören:

  • Fotos oder digitale 3D-Scans, um die Zahnstellung und das Profil festzuhalten
  • Röntgenaufnahmen wie das Orthopantomogramm (OPG) zur Darstellung des gesamten Kiefers
  • Fernröntgenseitenaufnahme (FRS) zur Analyse von Kieferlage, Wachstumstendenz und Zahnachsen

Ein wichtiger Teil der Diagnose ist die Abgrenzung zu anderen Fehlstellungen. Beim Unterbiss liegt der Unterkiefer zu weit vorn, während beim Kreuzbiss einzelne Zähne des Unterkiefers weiter außen stehen als die gegenüberliegenden im Oberkiefer. Auch ein verkehrter Überbiss, bei dem die unteren Schneidezähne vor den oberen stehen, wird durch die Untersuchung ausgeschlossen. Nur durch eine klare Diagnose lässt sich die passende Therapieform auswählen.

Überbiss korrigieren: Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Überbisses richtet sich nach dem Alter, dem Schweregrad der Fehlstellung und der Ursache. Bei Kindern lassen sich mit einfachen Maßnahmen oft sehr gute Ergebnisse erzielen. Im Jugend- oder Erwachsenenalter stehen unterschiedliche kieferorthopädische und gegebenenfalls chirurgische Verfahren zur Verfügung.

Behandlung bei Kindern und Kleinkindern

Bei kleinen Kindern ist es besonders wichtig, frühzeitig einzugreifen. Oft genügt es, ungünstige Angewohnheiten wie Daumenlutschen oder die Nutzung des Schnullers rechtzeitig abzustellen. Dadurch kann sich ein leichter Überbiss in manchen Fällen sogar wieder zurückbilden. Eltern sollten dabei liebevoll, aber konsequent unterstützen. Ergänzend kann eine logopädische Begleitung sinnvoll sein, wenn insbesondere ein falsches Schluckmuster oder Zungenpressen vorliegt.

Abhängig vom Alter kommen verschiedene kieferorthopädische Hilfsmittel infrage. Lose Zahnspangen oder sogenannte funktionskieferorthopädische Geräte fördern gezielt das Wachstum des Unterkiefers und bringen die Kiefer sanft in ein besseres Gleichgewicht. Diese Geräte wirken vor allem in der Wachstumsphase effektiv.

Im Wechselgebiss, also wenn bereits einige bleibende Zähne vorhanden sind, kann auch eine feste Zahnspange infrage kommen. Diese wird meist ab einem Alter von etwa acht bis zehn Jahren eingesetzt, wenn der Zahndurchbruch weit genug fortgeschritten ist.

Überbiss-Behandlung bei Erwachsenen

Auch im Jugend- und Erwachsenenalter ist eine Korrektur des Überbisses möglich. Je nach Ausprägung stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung.

Überbiss-Korrektur ohne Operation

Leichte bis mittelschwere Fehlstellungen lassen sich bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig mit durchsichtigen Zahnschienen, sogenannten Clear Alignern, behandeln. Marken wie Invisalign® bieten transparente Kunststoffschienen, die individuell angepasst werden und die Zähne schrittweise in die richtige Position bewegen. Diese Behandlung ist unauffällig, flexibel im Alltag und besonders für Patienten attraktiv, die keine feste Zahnspange tragen möchten.

In vielen Fällen werden ergänzend kleine Gummizüge verwendet, die an bestimmten Zähnen befestigt werden und helfen, die Kiefer zueinander auszurichten. Diese Gummis müssen konsequent getragen werden, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Behandlung mit fester Zahnspange

Wenn die Fehlstellung ausgeprägter ist, wird häufig eine feste Zahnspange eingesetzt. Brackets werden dabei auf die Zähne geklebt und mit Drahtbögen verbunden. Je nach Befund kommen zusätzliche Hilfsmittel wie Gummizüge zum Einsatz. Diese verbinden Ober- und Unterkiefer und fördern die gewünschte Bisslage. Die Behandlung erfordert Geduld und Mitarbeit. Erste Verbesserungen zeigen sich meist nach einigen Monaten, das vollständige Ergebnis dauert vorwiegend bis zu drei Jahre.

Überbiss mit Operation korrigieren

In sehr ausgeprägten Fällen, insbesondere bei Erwachsenen mit abgeschlossenem Wachstum, reicht eine kieferorthopädische Behandlung allein oft nicht aus. Dann wird eine chirurgische Korrektur notwendig. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Kieferoperation, bei der der Unter- oder Oberkiefer chirurgisch neu positioniert wird. Die Operation erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopädie und Kieferchirurgie und wird meist mit einer vorherigen und anschließenden kieferorthopädischen Behandlung kombiniert.

Überbiss ästhetisch behandeln

In manchen Fällen entscheiden sich Erwachsene für eine rein ästhetische Lösung. Durch Veneers oder Zahnkronen lässt sich das Erscheinungsbild der Zähne verbessern. Die zugrunde liegende Kieferlage wird jedoch dadurch nicht verändert. Diese Methode kann geeignet sein, wenn keine funktionellen Beschwerden bestehen und eine Korrektur aus medizinischer Sicht nicht zwingend erforderlich ist.

Unterstützung durch Logopädie

Eine begleitende logopädische Behandlung kann in jedem Alter hilfreich sein, vor allem, wenn Zungenlage oder Schluckmuster ungünstig sind. Myofunktionelle Übungen stärken die Muskulatur im Mundbereich und unterstützen den langfristigen Erfolg der kieferorthopädischen Behandlung. Für sich allein reicht Logopädie jedoch nicht aus, um einen ausgeprägten Überbiss vollständig zu korrigieren.

Dauer der Behandlung und Nachsorge

Wie lange die Korrektur eines Überbisses dauert, hängt von der gewählten Methode und dem Schweregrad der Fehlstellung ab. Bei Kindern kann eine lose Spange schon nach einigen Monaten erste Verbesserungen zeigen. Eine feste Zahnspange oder transparente Aligner erfordern oft eine Behandlungsdauer von ein bis drei Jahren. Wird zusätzlich eine Kieferoperation durchgeführt, verlängert sich der gesamte Ablauf entsprechend.

Für den langfristigen Erfolg ist die Nachsorge entscheidend. Nach Abschluss der aktiven Behandlung werden sogenannte Retainer eingesetzt. Diese halten die Zähne in ihrer neuen Position, bis sich das Gewebe und die Muskulatur dauerhaft angepasst haben. Retainer gibt es in zwei Formen:

  • festsitzender Lingualretainer: ein dünner Draht, der an der Innenseite der Frontzähne befestigt wird
  • herausnehmbare Retentionsschiene: eine transparente Schiene, die nachts getragen wird

Ohne Retention kann es passieren, dass sich die Zähne wieder verschieben. Auch deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle nach der Behandlung sinnvoll – zunächst in kurzen Abständen, später einmal jährlich. So bleibt das Behandlungsergebnis bestehen und die Zahnstellung langfristig erhalten.

Kosten und Erstattung der Korrektur

Die Kosten für eine Überbiss-Behandlung richten sich nach Methode, Aufwand und Alter des Patienten. Bei Kindern übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Behandlung meist ab einem Überbiss von etwa sechs Millimetern.

Für Erwachsene werden die Kosten nur übernommen, wenn eine ausgeprägte Kieferfehlstellung mit OP-Bedarf vorliegt. In allen anderen Fällen sind die Kosten selbst zu tragen. Ein individueller Kostenvoranschlag schafft Klarheit. Private Versicherungen oder Zusatzversicherungen können je nach Tarif einige Teile der Behandlung abdecken.

Überbiss-Korrektur: Vorher-Nachher

Die Korrektur eines Überbisses kann vor allem im Seitenbild das Gesichtsprofil sichtbar verbessern. Bei Kindern harmonisiert sich oft das gesamte Erscheinungsbild, Erwachsene profitieren ebenfalls deutlich, etwa durch ein ausgeglicheneres Lächeln. Wie stark die Veränderung ausfällt, hängt vom individuellen Befund und der gewählten Methode ab. Vorher-Nachher-Bilder helfen dabei, den Behandlungserfolg realistisch einzuschätzen.

Überbiss selbst korrigieren?

Auch ohne direkte Behandlung lässt sich einiges tun, um die Entwicklung eines Überbisses positiv zu beeinflussen, besonders im Kindesalter. Der wichtigste Schritt ist, ungünstige Angewohnheiten wie Daumenlutschen oder den Gebrauch eines Schnullers rechtzeitig abzustellen. Auch eine gesunde Nasenatmung statt Mundatmung unterstützt das natürliche Kieferwachstum.

Ergänzend helfen myofunktionelle Übungen, beispielsweise unter logopädischer Anleitung. Für Kinder und Jugendliche, die aktiv Sport treiben, kann ein individueller Mundschutz sinnvoll sein, um die Frontzähne zusätzlich zu schützen.

Ergänzend helfen myofunktionelle Übungen, beispielsweise unter logopädischer Anleitung. Für Kinder und Jugendliche, die aktiv Sport treiben, kann ein individueller Mundschutz sinnvoll sein, um die Frontzähne zusätzlich zu schützen.

FAQ zum Überbiss als Kieferfehlstellung

Ist ein leichter Überbiss immer behandlungsbedürftig?

Nicht unbedingt. Ein Überbiss von bis zu drei Millimetern wird als normal angesehen. Solange keine Beschwerden bestehen, ist normalerweise keine Behandlung erforderlich.

In welchem Alter sollte man einen Überbiss korrigieren?

Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser lässt sich das Kieferwachstum nutzen. Der ideale Zeitpunkt liegt häufig zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr – in bestimmten Fällen auch früher. Eine erste Einschätzung kann aber schon im Vorschulalter sinnvoll sein.

Ist ein Überbiss bei Kleinkindern normal?

Ja, ein leichter Überbiss ist bei Kleinkindern durchaus häufig und meist unbedenklich – vor allem, wenn noch Milchzähne vorhanden sind. Wichtig ist, auf schädliche Angewohnheiten zu achten und diese rechtzeitig abzustellen.

Was tun bei extremem Überbiss?

Bei stark ausgeprägtem Überbiss – etwa ab sechs Millimetern – sollte eine genaue Untersuchung erfolgen. In solchen Fällen kann eine kombinierte Behandlung mit Zahnspange und gegebenenfalls Kieferoperation notwendig sein. Je nach Alter und Ursache gibt es verschiedene Optionen.

Kann ein Überbiss bei Erwachsenen noch korrigiert werden?

Ja, auch Erwachsene können ihren Überbiss behandeln lassen. Je nach Ausmaß kommen Zahnschienen, feste Spangen oder eine Operation infrage.